Politikverdrossenheit unter Jugendlichen
Dass diese Politikverdrossenheit allerdings nicht auf alle Jugendliche zutrifft hat bereits GIGA real bewiesen. Doch wie verdrossen ist die heutige Jugend? Mit dieser und anderen Fragen beschäftigt sich auch die Shell-Studie, die von einem großen deutschen Mineralölkonzern in Auftrag gegeben wird. Alle vier Jahre werden Ergebnisse veröffentlich und Vergleiche gezogen.
Die Shell Studie unterteilt die Jugend dabei in vier Typen. 24% der Jugendlichen, etwas mehr als bei der letzten Shell Studie im Jahr 2002, gehören der Gruppe der „mitwirkungsbezogenen“ Jugendlichen an und bezeichnen sich selbst in ihrer Grundhaltung im weitesten Sinne als politisiert. Das Gegenstück hierzu sind die „politikkritischen“ Jugendlichen, zu denen laut Shell-Studio 28% der Jugend, mehr als noch im Jahr 2002, gehören. Dieser Teil weist die größte Distanz zur Politik auf und charakterisiert sich selbst am stärksten als politikverdrossen. Ein gleich großer Anteil ist den „politisch uninteressierten“ zuzurechnen. Diese Jugendlichen haben so gut wie keinerlei Interesse an Politik und sehen sich selbst auch nicht als politisch kompetent an. Gegenüber 2002 ist dieser Prozentsatz erfreulicherweise gesunken. Ebenfalls gesunken ist die Gruppe Jugendlicher, die von der Shell-Studie als „ordnungsorientiert“ bezeichnet werden. Dieser Anteil liegt aktuell bei 19%. Dieser Gruppe sind die Jugendlichen zuzuschreiben, die ein weniger ausgeprägtes Verhältnis zu demokratischen Freiheiten wie Meinungsäußerung und Opposition besitzen. Allerdings muss man hier auch erwähnen, dass sich die Mehrheit dieser Gruppe mehrheitlich zur Demokratie bekennt.
Des Weiteren belegen die Ergebnisse der Shell-Studie 2006, dass der Anteil der politisch Interessierten Jugendlichen im Alter von 15 bis 24 Jahren, bei 39% liegt. Traurig ist hierbei, dass dieser Wert mit 55% im Jahre 1984 und 57% im Jahre 1991 deutlich höher lag als heute. Erfreulich hingegen ist, dass 2002 mit 34% ein noch niedrigerer Wert erzielt wurde, jedoch lässt sich damit eine Trendwende noch nicht belegen. Positiv hervorgehoben werden sollte hier die Gruppe der Studierenden, sowie Schüler aus der gymnasialen Oberstufe, die mit einer deutlichen Mehrheit Interesse an Politik zeigen.
Doch woher kommt dieses Desinteresse in die Politik? Die Gründe scheinen auf der Hand zu liegen. Insbesondere bei Jugendlichen mit weniger hohem Bildungsabschluss bewirken Arbeitslosigkeit und fehlende Perspektiven eine Abkehr von der Politik. Hinzu kommt, dass die Wünsche der unter 18 jährigen oftmals unbeachtet bleiben, da sie nicht stimmberechtigt sind und somit für Politiker eher uninteressant sind. Darüber hinaus sind viele Jugendliche noch in ihrem eigenen Reifungsprozess mit sich selber und weniger mit der Gesellschaft im Ganzen beschäftigt.
Insgesamt stellt die Politik heute der Shell-Jugendstudio zufolge keinen eindeutigen Bezugspunkt da, an dem man sich orientieren oder auch selber darstellen kann. Jedoch heißt das nicht automatisch, dass Jugendliche keine eigenen Interessen hätten, für deren Verwirklichung sie sich durchaus einsetzen.


















