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Die goldene Kuh des Jugendschutzes?
Verbot von Killerspielen
(Christian) Die sogenannten "Killerspiele" sind nicht nur aus dem Bereich eSport nicht mehr wegzudenken, auch in der Politik sind sie mittlerweile zu einem festen Bestandteil von Diskussionen geworden, in denen über schärfere Jugendschutzgesetze und ein Verbot solcher Computerspiele debattiert wird.

Doch ab wann gilt ein Spiel eigentlich als Killerspiel und was hat die Politik genau gegen Shooter? Richtig definieren lässt sich der Begriff "Killerspiel" nicht. Schon bevor er zum politischen Schlagwort für Computerspiele wurde, konnte man ihn in diversen Berichten und Diskussionen vorfinden. So schrieb 1997 die dpa, dass "Hohe Geldbußen für ‚Killer-Spiele‘ geplant" seien, "bei denen die Tötung und Verletzung von Spielern unter Einsatz von Schusswaffen oder nachgebildeten Waffen simuliert wird." Damit waren allerdings keine Videospiele, sondern Aktivitäten wie Paintball oder Laserdrome gemeint.

Erst seit 1999, nach einem Mordfall an einer Schule in Bad Reichenhall, wird der Begriff auch für Computerspiele verwendet. Schon damals verlangte der Bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein eine "Verbesserung der öffentlichen Sicherheit im Waffenrecht", sowie einen "wirksamen Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewaltverherrlichung in den Medien und vor sogenannten Killer-Spielen".

Die bisher differenzierteste Definition des Begriffs findet sich im Gesetzesantrag des Freistaates Bayern vom 2. Februar 2007 wieder, der erstmals einen Paragraphen "Virtuelle Killerspiele" benennt. Diesem Paragraphen zufolge sind Killerspiele "Spielprogramme, die grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen darstellen und dem Spieler die Beteiligung an dargestellten Gewalttätigkeiten solcher Art ermöglichen."

In der Debatte rund um "Killerspiele" haben bereits seit Jahren viele Politiker in Interviews ihre Meinungen und Forderungen kundgetan. In jüngster Zeit sind jedoch die ersten konkreten Aktionen angelaufen. So zum Beispiel ein Gesetzesantrag des Bundeskabinetts oder der Antrag des Freistaats Bayern. Bei allen aktuellen Entwürfen geht es dabei um die Wirksamkeit des Gebilde "Regulierte Selbstkontrolle", die Altersgrenzen für die Freigabe von Filmen und Spielen, Alterskennzeichnung von Computerspielen, verlässliche Kontroll- und Sicherheitsstandards für Videoverleihautomaten sowie ein "Verbot von ‚Killerspielen’".  Grund dafür ist die Angst, dass Kinder oder Jugendliche in der Wirklichkeit das umsetzen, was sie auf dem Computer- oder Fernsehbildschirm gesehen haben.

Im Mai dieses Jahres hat der Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition eine Novelle des Jugenschutzgesetzes verabschiedet, in der der Jugendschutz deutlich verschärft wurde. So wurde nicht nur Mindestgrößen, die die Alterskennzeichungen der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) auf Computerspielen haben müssen, festgeschrieben, sondern auch die Kriterien, ab wann Gewaltdarstellungen in Medien und Spielen auf dem Index gesetzt werden, erweitert. Konkret werden künftig nicht nur Spiele indiziert, die Krieg und Gewalt verherrlichen, sondern auch jene mit "besonders realistischen, grausamen und reißerischen Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen", die "das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen".

Generell sprechen sich für ein Verbot von "Killerspielen" die CDU/CSU, sowie einige Mitglieder der SPD aus. Die FDP, Bündnis 90/Die Grünen und die Linkspartei stehen einem solchen Verbot überwiegend ablehnend gegenüber. Auch Experten und Studien sehen die Ursachen von Gewalttaten und Amokläufen nicht hinter Killerspielen, sondern hinter gesellschaftlichen Problemen wie den Markenzwang oder das Schulsystem, das Hauptschüler als Verlierer aussehen ließe. So wiederlegte eine Studie aus dem Jahr 2007 den Hauptvorwurf gegen Killerspiele, nämlich dass deren Benutzung das Gewaltpotential bei den Spielern steigere. Diese Studie zeigte, dass u.a. das Verhalten von hyperaktiven Kindern nach dem Spielen von gewalttätigen Computerspielen weniger von Wut geprägt ist, als vor dem Spielen.


Zusammen mit unseren Gästen wollen wir im TALK über die Killerspiel-Debatte diskutieren. Wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt oder eure eigene Meinung einbringen wollt, dann schreibt sie in die Comments.

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